Laserpointer: Das problematische Katzenspielzeug

 

Eine Katze, ein Laserpointer – ein großer Spaß? Nicht unbedingt.

Der bunte Lichtpunkt hat eine faszinierende Wirkung auf Katzen, das liegt in ihrer Natur als kleine Beutegreifer. Ihre Sinnesorgane sind dafür optimiert, jede noch so kleine, aber schnelle Bewegung zu erfassen. Der Laser hebt sich deutlich von seinem Untergrund ab und bewegt sich lebhaft – selbst wenn wir ihn vermeintlich stillhalten, kann die Katze ihn noch „tanzen“ sehen, denn ihre Augen besitzen ein sehr gutes zeitliches Auflösungsvermögen. Sie kann zwischen 70 und 80 Bilder pro Sekunde wahrnehmen (zum Vergleich: der Mensch nur etwa 30 bis 50 Bilder pro Sekunde). Seine Beschaffenheit und seine Bewegungen lassen den Punkt lebendig erscheinen, wie ein kleines Insekt. Somit erweckt er garantiert die Aufmerksamkeit deiner Katze. Doch das Spielzeug kommt mit realen Risiken für das physische und psychische Wohlbefinden der Samtpfoten daher.

 

Katzenpsychologin: Laserpointer sind kein geeignetes Spielzeug für Katzen

Eine echte Gefahr für das Katzenauge

Es sollte selbstverständlich sein, den Laser nicht direkt auf die Katze zu richten. Doch selbst wenn das Auge versehentlich einmal kurz getroffen wird, oder nur indirekt über reflektierende Oberflächen getroffen wird, kann es nachhaltig geschädigt werden.


Häufig findet man Herstellerangaben, die auf den ersten Blick entwarnend anmuten, wie etwa: „Gefahrenklasse 2, die Laserstrahlung liegt nur im sichtbaren Spektralbereich und ist bei kurzzeitiger Bestrahlungsdauer bis 0,25 Sekunden ungefährlich für das Auge“. Dazu muss man wissen: Diese Daten beziehen sich auf Untersuchungen an Primaten und auf die veraltete Annahme, dass der Lidschlussreflex beim Menschen nach einer Viertelsekunde einsetzt. Jüngere Untersuchungen an Menschen haben gezeigt, dass nur 17% der Probanden bei kurzzeitiger Bestrahlung tatsächlich mit einem entsprechenden Reflex reagieren. Daher sind solche Gefahrenklassen-Angaben schon für die menschliche Sicherheit fragwürdig. Hinzu kommt, dass das Katzenauge noch weitaus sensibler ist als ein Menschen- oder Primatenauge.

 

Katzen besitzen mehr von den lichtempfindlichen Stäbchen in ihrer Netzhaut. Sie können ihre Pupillen stärker erweitern und haben zudem eine reflektierende Schicht hinter der Netzhaut, das Tapetum lucidum. Dieses wirft einfallendes Licht noch einmal zurück auf die Stäbchen und ermöglicht den Katzen ihre hervorragende Nachtsicht. Natürlich wird auch Laserbelichtung durch das Tapetum lucidum verstärkt. Das bedeutet, dass Katzenaugen um ein vielfaches anfälliger für Verletzungen durch den Laser sind.

Aus diesem Grund spricht sich auch die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz deutlich gegen Laserpointer aus. Die TVT warnt vor deren Gebrauch und fordert sogar, den Verkauf als Spielzeug für Tiere zu verbieten.

 

Inzwischen findet man auch LED Pointer auf dem Markt, welche das gleiche Spielerlebnis mit weniger Gefahrenpotenzial versprechen. Aber bei jeder Art von „Lichterspiel“ mit Katzen besteht noch ein weiteres Problem...

 

Die Katze wird anfällig für Verhaltensstörungen

Wie sehr sie sich auch bemüht: Sie kann den Punkt niemals fangen. Diese Tatsache ist für viele Menschen genau der Faktor, der die große Belustigung beim Spiel mit Laserpointern ausmacht. In der Katze jedoch löst es vor allem Frustration aus, die man nicht unterschätzen darf.

 

Wenn wir mit unseren Katzen spielen, imitieren wir damit eine echte Jagd. Zu einer vollständigen Jagdsequenz gehört das Beobachten, Schleichen, Lauern, Anspringen, Fassen und Beißen – vor allem die letzten beiden Punkte können anhand eines Lichtpunktes nicht gewährleistet werden. Und da Katzen dazu neigen, durch den Laserpointer so stark angeregt zu werden, dass sie in dem Spiel komplett „aufdrehen“, kommen auch das Lauern und Schleichen oftmals zu kurz. Die Katze jagt den Punkt dann wild wie ein Hetzjäger, was eigentlich gar nicht ihrer Natur entspricht. Die Erregung kann auch nach dem Spiel noch anhalten und sich in unerwünschten Verhaltensweisen äußern.

 

Die Katze braucht also Lauer-Sequenzen und vor allem regelmäßige Erfolgserlebnisse, indem sie immer wieder die Möglichkeit bekommt, ihre „Beute“ auch zu fangen. Andernfalls wird sich Frust aufbauen und in den Alltag hineintragen. Es kommt oft vor, dass die Katze sich dann in unangemessener bis zerstörerischer Weise an Einrichtung, Mitkatzen, Menschen oder an sich selbst auslässt.

Entsprechend disponierte Katzen können durch Lichterspiele eine echte Zwangsstörung entwickeln. Manche werden besessen davon, Lichter und Schatten zu jagen – ein regelrechter Teufelskreis, denn dadurch verschlimmern sie die ursächliche Problematik ja weiter.

Manchmal erzählen auch meine Klienten über ihren Schützling: „Er lässt sich ganz schlecht zum Spielen animieren, nur mit dem Laserpointer.“ Aber diese Katzen sind besonders gefährdet, denn wenn die einzige Beute, die sie überhaupt jagen, nie gefangen werden kann, wird der Frustfaktor stetig größer. In diesen Fällen ist angeraten, sich systematisch auf die Suche nach den individuellen Beutevorlieben zu begeben.

 

Andere Katzen beginnen beispielsweise, sich exzessiv zu lecken und kahl zu putzen oder Haare auszureißen.

Im Grunde kann jede Aktivität zur Obsession werden, aber häufig sind es solche, die mit dem Selbsterhaltungstrieb in Zusammenhang stehen. Dann nimmt diese bestimmte Aktivität einen unverhältnismäßig großen Anteil des Tagesablaufs der Katze ein, während andere Lebensbereiche und ihr Wohlbefinden davon negativ beeinflusst werden.

Und das kann schon durch unbefriedigende Spielangebote ausgelöst werden! Aber ich kann dir versichern, es gibt für jede Katze noch andere animierende Optionen als den Laser.